Die aktuelle Tagung des RPP-Instituts beleuchtet „Die Anatomie des Bösen“. Ein Aspekt des psychologischen „Bösen“ ist die sogenannte „Dunkle Triade“. Die Dunkle Triade beschreibt drei Persönlichkeitsmuster, die durch eine besonders ausgeprägte Selbstsucht gekennzeichnet sind. Wer mit solchen „Typen“ zu tun hat, sollte sich in Acht nehmen. So erkennen Sie die Warnzeichen.
Wow, was für ein Mann!
Viele kennen die Situation: Man begegnet jemandem – typischerweise einem Mann –, der selbstbewusst, souverän und witzig wirkt. Sein Charisma zieht einen sofort in den Bann. Er erscheint als natürlicher Anführer, überzeugender Kollege oder charmanter Gentleman. Doch mit der Zeit zeigt sich das wahre Gesicht hinter der Maske. Subtile Verhaltensmuster treten immer deutlicher hervor: Manipulation, Eigennutz und ein erschreckender Mangel an Empathie. Willkommen in der Welt der Dunklen Triade.
Die Eigenschaften der Dunklen Triade frühzeitig zu erkennen, kann Sie vor einem Albtraum bewahren, der in Ausnutzung, Erschöpfung oder Schlimmerem endet.
Menschliches Verhalten ist vielfältig – es reicht von Altruismus und Empathie bis hin zu Manipulation und Grausamkeit. Psychologen, die sich mit Persönlichkeitstypen beschäftigen, haben eine Gruppe von „dunklen“ Eigenschaften identifiziert, die antisoziales und destruktives Verhalten begünstigen können.
Dunkle Triade: Drei Typen
Im Jahr 2002 prägten die kanadischen Psychologen Delroy L. Paulhus und Kevin M. Williams den Begriff der ‚Dunklen Triade‘. Damit beschrieben sie ein Modell, das drei markante Persönlichkeitstypen umfasst:
- Der Narzisst zeichnet sich durch ein übersteigertes Selbstwertgefühl, Anspruchsdenken und die Abwertung anderer aus. Sein unausgesprochenes Motto lautet: „Bewundert mich!“ Er sehnt sich nach Anerkennung und stellt sein eigenes Image oft über das Wohlergehen seiner Mitmenschen. Selbstbewusstsein und Ehrgeiz sind an sich gesund. Aber ein ungehemmter Narzissmus kann zur Ausnutzung anderer führen und Beziehungen erheblich belasten.
- Der Machiavellist verdankt seinen Namen dem politischen Philosophen Niccolò Machiavelli. Seine manipulative, berechnende Art macht sich in zwischenmenschlichen Beziehungen bemerkbar. Sein Motto: „Der Zweck heiligt die Mittel.“ Personen, die zum Machiavellismus neigen, sind geschickt darin, Situationen und Menschen zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen. Oft kommen sie als charmant und diplomatisch rüber, doch sie warten geduldig auf den perfekten Moment, um ihre Ziele zu erreichen – ungeachtet ethischer Bedenken.
- Der Psychopath gilt als der extremste Typ der Dunklen Triade. Sein Motto: „Ihr seid nur Objekte.“ Empathie, Schuldgefühle oder Reue sind ihm völlig fremd. Psychopathen handeln oft impulsiv und risikoreich, ohne Rücksicht auf die Folgen – und schädigen dabei nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Nicht alle Psychopathen werden zwangsläufig kriminell, doch ihre emotionale Kälte und Skrupellosigkeit können erheblichen zwischenmenschlichen Schaden verursachen.
Der richtige Umgang mit der Schattenseite der Psyche
Es ist wichtig zu betonen, dass das Vorhandensein einer oder mehrerer der genannten Eigenschaften eine Person nicht automatisch „böse“ macht. Viele Menschen zeigen Elemente der Dunklen Triade, ohne dabei andere emotional oder physisch zu verletzen. Studien deuten jedoch darauf hin, dass diese Eigenschaften – insbesondere in Kombination miteinander – manipulatives, ausbeuterisches oder destruktives Verhalten wahrscheinlicher machen.
Welchen Vorteil hat es, diese Eigenschaften zu kennen? Das Verständnis der Dunklen Triade hilft uns am Arbeitsplatz, in Beziehungen und sozialen Gruppendynamiken besser zurechtzukommen. Im Umgang mit manipulativen Kollegen, Verhandlungspartnern und Politikern kann das Gewahrsein der Dunklen Triade helfen, irritierende Verhaltensmuster besser einzuordnen.
Die Dunkle Triade – zu dem häufig auch der Sadismus als vierter Typ zur „Dunklen Tetrade“ ergänzt wird – stellt ein Modell dar, durch das Psychologen die Schattenseite der menschlichen Natur beleuchten. Aber Vorsicht! Erstellen Sie keine Diagnosen, wenn Sie kein geschulter Psychologe oder Psychiater sind.
Außerdem: Jeder von uns hat keimhaft Anteile der Dunklen Triade, die in niedriger bis moderater Ausprägung sogar funktional sein können. Selbstaufwertung – die Vorstufe des Narzissmus – ist entscheidend, um Resilienz zu entwickeln. Strategisches Denken – die Vorstufe des Machiavellismus – fördert Durchsetzungsvermögen in der Karriere. Emotionale Distanz – die erst in extremer Ausprägung psychopathisch wird – ist eine wichtige Tugend im Krisenmanagement.
Achten Sie darauf, Ihren eigenen Schatten im Zaum zu halten und das psychische Gleichgewicht zu bewahren. So sind Sie besser darauf vorbereitet, mit Menschen umzugehen, die ausgeprägte Merkmale der Dunklen Triade aufweisen.
Erfahren Sie mehr zum Thema Dunkle Triade und Selbstschutz in unserem nächsten Artikel.
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